6. Umsetzung unserer Ziele und Stile

6.1 Altersgemischte Gruppe bzw. Familiengruppe und Integrationskinder

In unserem integrativen Kindergarten streben wir danach, dass Kinder mit und ohne Behinderung in Kooperation und auf ihrem jeweiligen Entwicklungsniveau miteinander spielen und lernen. In unserer „vorbereiteten Umgebung“, in der alle Sinne angesprochen werden und die Kinder ganzheitliche Förderung und Begleitung erfahren, stehen nicht die Schwächen der Kinder im Mittelpunkt, sondern ihre Stärken. Kinder mit Handicaps benötigen zusätzliche Hilfe und Förderung, die ihnen durch die Eltern, die begleitenden Pädagogen und Fachleute aus Therapie, Beratung usw. gegeben werden. Daneben treten aber vielfältige Aktivitäten zur Stärkung der Persönlichkeit und zum Ausbau vorhandener Fähigkeiten.

Die Integration von Kindern mit Behinderung in dem Kindergarten ergibt sich zwangsläufig aus unserer pädagogischen Überzeugung. Die Forderung des Grundgesetzes „ Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ (Art.3 III 2 GG) beinhaltet unseres Erachtens das Recht auf gemeinsame Erziehung und Förderung auch in pädagogischen Institutionen – von Anfang an. Heute ist der Umgang mit behinderten Menschen für viele Nichtbehinderte immer noch ungewohnt und fremd. Wir gehen davon aus, dass Integration in einem kontinuierlichen offenen Prozess der Bewusstseinsbildung „gelernt“ werden kann. Unser Ziel ist es, dass der einzelne Mensch in seiner Individualität und Ganzheit wahrgenommen wird und nicht über seine Behinderung. Der Kindergarten ist ein idealer Ort für Integration, denn niemals später werden sich Kinder derart vorurteilsfrei begegnen; sie sehen weniger die Behinderung als die gesamte Persönlichkeit der Spielpartner. Die Diagnose von Entwicklungsverzögerungen, Wahrnehmungs- oder Bewegungsstörungen erfolgt häufig erst im Laufe der ersten Lebensjahre. Deshalb beobachten wir sehr genau die Entwicklungsfortschritte der Kinder, sprechen darüber mit den Eltern und unterstützen diese nach Möglichkeit bei erforderlichen Therapien. Dies setzt eine enge Zusammenarbeit mit heilpädagogischen Fachdiensten (Therapeuten, Frühförderstellen, Beratungsstellen, Ärzten usw.) voraus. Soweit möglich, finden therapeutische Maßnahmen nicht in der isolierten Einzelsituation, sondern im Rahmen der Gruppe statt; dies unterstützt die soziale Integration des betroffenen Kindes und fördert dessen Motivation bei der Therapie.

6.2 Basiskompetenzen, die uns besonders am Herzen liegen

Es gibt viele Fähigkeiten, die im Laufe des Lebens erlernt werden müssen, um das Leben zu meistern. Das Kindergartengesetz und vor allem auch der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan zählen deutlich auf und beschreiben, welche „Basiskompetenzen“ bei Kindern im Vorschulalter gebildet werden sollen (auch das Alter von 1-3 Jahren zählt zum Vorschulalter).

6.2.1 Selbstständigkeit

Wir unterstützen und fördern das Selbstständigkeitsbestreben der Kinder. In unserer Arbeit beobachten wir, dass selbstständige Kinder mehr Eigenverantwortlichkeit zeigen und sich dadurch sicherer fühlen. Das heißt auch, dass Kinder lernen, sich gegen Fremde abzugrenzen und „nein“ zu sagen, wenn jemand übergriffig wird. Wir schließen daraus, dass die Selbständigkeit ein Gefühl von Selbstsicherheit vermitteln kann.
 
Einige Bereiche der Selbstständigkeitsentwicklung:

  • mich selbst An- und Ausziehen
  • anderen helfen , wenn möglich und nötig
  • Aufräumen des benutzten Spielzeugs
  • Selbstsorgetragen für alltägliche Dinge
  • entscheiden, mit wem ich was spielen möchte
  • entscheiden, wer mich anfassen darf und wer nicht
  • Streitereien ohne Erwachsene konstruktiv lösen

6.2.2 Sozialverhalten

Unter sozialem Verhalten verstehen wir das Miteinander in der Kindergartengruppe. Der Besuch des Kindergartens bedeutet für die Kinder einen Schritt aus der Familie heraus in eine neue Gemeinschaft hinein. Dies konfrontiert sie mit einer neuen Situation. Auf einmal teilen die Kinder sich mit vielen anderen einen Raum, Bezugspersonen, Spielzeug, Freunde usw. Das Zusammensein mit vielen Menschen erfordert Regeln, die den Kindern Schutz und Orientierung bieten sollen. Die Kinder sind täglich dazu aufgefordert, eigene Grenzen (körperliche, emotionale und materielle) und die Grenzen der anderen Menschen in der Gruppe wahrzunehmen und einzuhalten. Ihre diesbezüglichen Fähigkeiten sind durch ihre individuelle Persönlichkeit und ihren unterschiedlichen Entwicklungsstand sehr verschieden. Wir möchten durch unsere Arbeit eine Atmosphäre entstehen lassen, in der sich die Kinder als Teil der Gruppe wahrnehmen, in der sie immer mehr Verantwortung für ihr eigenes Verhalten und das Geschehen in der Gruppe übernehmen.

Im Gruppenalltag können bestimmte Aufgaben von älteren Kindern übernommen werden, wie z.B. Tische zu decken, den jüngeren Kindern beim Anziehen, Umziehen und anderen Dingen zu helfen, unsere Blumen zu gießen, um dann die wunderbare Bandbreite sozialen Verhaltens miteinander zu erfahren: neben dem Einhalten von Grenzen z.B. gibt es den Spaß miteinander, man kann Freundschaften schließen, miteinander spielen, sich gegenseitig unterstützen und vieles mehr.

6.2.3 Konfliktbewältigung

Das Einhalten von Regeln ist ein konfliktträchtiges Feld, ebenso wie das Wechselspiel zwischen dem Recht auf die Umsetzung der eigenen Interessen und den Bedürfnissen anderer Gruppenmitglieder. Wir sehen Konflikte grundsätzlich als ein positives Lern- und Lebensfeld, welches Kontakt und Wachstum ermöglicht. Daraus ergibt sich für uns in erster Linie das Ziel, Konflikte wahrzunehmen und der Situation entsprechend zu reagieren. Es geht uns nicht darum, Konflikte zu vermeiden, sondern den Kindern konstruktive Lösungsmöglichkeiten auf verbaler Ebene näher zu bringen, z.B. indem wir solche vorleben. Bei Auseinandersetzungen zwischen Kindern sehen wir unsere Rolle im Vermittler und nicht darin, Recht zu sprechen. Sehr viele Situationen können Kinder selbstständig, unter Umständen mit Unterstützung gruppenerfahrener Kinder, lösen. Die Erzieherinnen schreiten auf jeden Fall ein, wenn es nötig wird, ein Kind vor Übergriffen, welcher Art auch immer, zu schützen.

6.2.4 Sprache

„Die Grenzen meiner Sprache(n) sind die Grenzen meiner Welt“ (Ludwig Wittenstein).

Kommunikation durchzieht kindliches Handeln überall und jederzeit. Das Aufwachsen der Kinder in einer Mediengesellschaft heißt unter anderem, Bilder und Texte, gesprochene und geschriebene Sprache in hoher Dichte, schneller Abfolge und variierenden Erscheinungsformen zu erleben. Es heißt auch, frühzeitig von Mehrsprachigkeit umgeben zu sein. Sprachliche Bildungsprozesse herauszufordern, ist daher eine umfassende Aufgabe der pädagogischen Arbeit.
 
Folgende Literacy Erziehung wird bei uns angeboten:

  • Gespräche mit einzelnen Kindern oder in der Gruppe
  • das eigene Tun sprachlich begleiten
  • rhythmusbetonte und musikalische Spiele
  • Reime, Verse, Fingerspiele, Kreisspiele, Geschichten und Bilderbücher vorlesen
  • Geschichten erfinden
  • Spiele spielen
  • Würzburger Sprachprogramm, Lerngeschichten von Kasimir und Flora
  • Malen und beschreiben
  • Rollenspiele
  • Literacy-fördernde Lernumgebung (Büchereibesuch, Leseecke, Bücherausstellung und Schreibecke)

6.2.5 Psychomotorik

Durch die Zusatzqualifikationen einer Erzieherin findet einmal wöchentlich Psychomotorik statt.

Was ist Psychomotorik? Die Psychomotorik ist eine ganzheitliche Bewegungserziehung, bei der die Kinder die optimale Gelegenheit haben, sich und ihren Körper zu erspüren, kennen zu lernen, wahrzunehmen und zu akzeptieren. Die Psychomotorik setzt bei den Stärken der Kinder an, d. h. es wird nicht eintrainiert was man nicht kann, sondern über die Stärken Mut gemacht, sich an Neues, Schwieriges oder sogar scheinbar Unschaffbares zu wagen. Die Kinder lernen, ihren Körper bewusst wahrzunehmen und zu kontrollieren, motorische Lernerfahrungen zu speichern, sich Bewegungsabläufe vorzustellen und zu planen, das eigene Leistungsvermögen einzuschätzen, Emotionen auszudrücken bzw. zu kontrollieren. Die Kinder erlangen eine Sozialkompetenz, indem sie lernen, ihre Identität zu erkennen, sensibel werden für die eigenen Bedürfnisse und die der anderen, sie Verantwortung übernehmen, bereit sind zu kommunizieren und zu kooperieren.

6.2.6 Grobmotorik

Da viele Kinder durch Wohnverhältnisse, dichte Besiedelung und verkehrsreiche Straßen einen eingeschränkten Bewegungsraum erfahren, finden wir es wichtig, der Bewegungserziehung viel Platz einzuräumen.

Viele Tätigkeiten im Antriebsbereich und der Körperbeherrschung können in unseren Räumlichkeiten geübt und ausprobiert werden. Im Bewegungsraum befindet sich eine Sprossenwand, eine Kletterwand, ein Hüpfbett, ein Balkensystem zum Einhängen von Schaukeln oder Klettertürmen, ein von den Eltern gebautes großes Hochbett mit vielen Schaumstoffelementen, Seilen und Tüchern welche zum Klettern, Springen, Balancieren und Turnen anregen.

Bewegungserziehung findet regelmäßig in Entwicklungsgruppen statt.

Um weiteren Bewegungsbedürfnissen gerecht zu werden, verlassen wir so oft wie möglich unsere Räumlichkeiten. Vierzehntägig findet für die Kinder im Sommer Schwimmen in einer öffentlichen Schwimmhalle und im Winter Eislaufen in einer öffentlichen Eislaufhalle statt.

Es findet wöchentlich ein Ausflug in den Wald statt, bei dem die Kinder immer an den gleichen Platz gehen und sich dort unter anderem aus dem vorhandenen Naturmaterial Höhlen bauen oder auf Bäume klettern bzw. Verstecke suchen, sich ins Moos legen, den Wind spüren usw.

Das breit gefächerte Angebot soll der körperlich gesunden Entwicklung der Kinder wie der Kräftigung der Muskeln und Organe, des Kreislaufs, der Beweglichkeit sowie der Koordination von Bewegungsabläufen dienen. Die Kinder lernen Bewegung und Ruhe – Spannung und Entspannung. Die räumliche Wahrnehmung wird geübt, der Gleichgewichtssinn wird geschult. Außerdem werden gruppenpädagogische Inhalte vermittelt: das gemeinsame Tun, das Einhalten von Regeln in der Gruppe. Die Kinder entwickeln ein Gruppengefühl.

6.2.7 Feinmotorik

Die Lernziele zur Förderung der Feinmotorik sind sehr vielseitig: Phantasie-Anregung, bewusste Wahrnehmung der Umgebung, Förderung der Kreativität, Kennenlernen verschiedener Materialien und ihrer Verwendung, wie Papier, Stoffe, Wolle, Holz, Glas, Plastik, Pappe.

Zum selbstständigen Arbeiten der Kinder gehört eine Umgebung mit Aufforderungscharakter, die Anreize gibt. Das heißt, Spiele und Dinge zum Betätigen sind für das Kind übersichtlich angeordnet und gut auffindbar: Ein sehr beliebtes und vielseitiges Spiel- und Übungsmaterial wie Papier ist jederzeit greifbar.

Im Laufe der Kindergartenzeit lernen die Kinder vielfältige Techniken wie Schneiden, Kleben, Reißen, Knüllen und Falten. Eine ähnliche Vielfalt erleben sie beim Malen. Es sind hierfür Wasserfarben, Filzstifte, Wachskreiden, Buntstifte, Buntstifte für Nassmalerei (welche auch gerne zum Schminken benutzt werden), Fingerfarben und Tusche vorhanden. Es werden Klecks-, Spritz- und Kratzbilder gefertigt, Stempel und Kartoffeldruck geübt und die Fenster des Gruppenraumes bemalt.

Auch im Alltag wird die Motorik entwickelt und gefördert: Dazu gehören das selbstständige Anziehen, Schnüren, Schleifenbinden, das Knoten, Haare kämmen, Zöpfe flechten, das An- und Auskleiden von Puppen, das Gießen unserer Blumen. Dazu gehört auch, Getränke selbstständig einzuschenken und den jüngeren Kindern dabei behilflich zu sein, außerdem Teig zu kneten, Gemüse zu schneiden, Brote selber zu schmieren und sich selbstständig die Zähne zu putzen und Hände zu waschen.

6.2.8 Musikalische Frühförderung

In Entwicklungsgruppen findet regelmäßig Musik, Tanz und Rhythmik statt.
 

6.3. Interkulturelle Erziehung

In München, einer Großstadt, sehen wir täglich Menschen aus anderen Ländern. Auch die Kinder begegnen auf dem Spielplatz, auf der Straße oder beim Einkaufen Menschen, die anders sprechen, anders aussehen und sich auch manchmal anders verhalten. Wir freuen uns, Kinder mit verschiedenen Nationalitäten betreuen zu können. In unserer Arbeit nutzen wir die Offenheit und Neugierde der Kinder, um sie auf die Vielfalt dieser Welt aufmerksam zu machen und ihnen die Unterschiede der Kulturen bewusst zu machen. Wir stellen ihnen andere Kulturen vor und versuchen, ihnen die Angst (falls vorhanden) vor Unbekanntem zu nehmen und ihnen Toleranz, Akzeptanz und Respekt vor der Andersartigkeit zu vermitteln. Interkulturelle Erziehung beinhaltet einen Lernprozess, in den Erzieherinnen, Kinder und Eltern gleichermaßen einbezogen sind. Wir sind der Ansicht, dass eine Integration ausländischer Kinder in die deutsche Gesellschaft zwingend eine Stärkung der kulturellen Identität voraussetzt. Nur wenn Kinder sich mit ihrem kulturellen Hintergrund anerkannt fühlen, können sie sich ohne Identitätsunsicherheiten auf das wichtige Erlernen der Zweitsprache Deutsch einlassen.

6.4 Geschlechtsspezifische Erziehung

Im Kindergarten „Laimer Strolche“ findet keine geschlechtsspezifische Erziehung statt. Geschlechtsspezifisches Verhalten wird weder gefördert noch bestärkt. Das Kind entwickelt eine eigene Geschlechtsidentität, mit der es sich sicher und wohl fühlt. Es ist in der Lage, einengende Geschlechterstereotypien zu erkennen und traditionelle sowie kulturell geprägte Mädchen- und Jungenrollen kritisch zu hinterfragen und sich durch diese nicht in seinen Interessen, seinem Spielraum und seinen Erfahrungsmöglichkeiten beschränken zu lassen. Wir möchten den Kindern im Kindergarten die ganze Bandbreite der Entwicklungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen, und zwar ausgehend von ihrem individuellen Sein und nicht von ihrem Geschlecht. Mädchen und Buben erfahren eine zeitlich und qualitativ gleich hochwertige Zuwendung. Wir beachten den Abbau von Statusunterschieden zwischen Mädchen und Buben. Es werden situationsabhängige koedukative sowie geschlechtergetrennte pädagogische Ansätze gewählt.

Wenn von Menschen gesellschaftliche Normen und Vorurteile in den Kindergarten getragen werden, greifen wir sie auf und besprechen diese mit den Kindern.

6.4.1 Sexualität (lat. Geschlechtlichkeit)

„Sexualität = Gesamtheit der mit den Geschlechtsorganen verbundenen Erlebnisse, Verhaltensweisen und ihre körperlichen Grundlagen. Sexuelle Erlebnisse reichen dabei weit über die biologische Fortpflanzung hinaus. Die sexuelle Paarbildung ist eine wichtige und naturgegebene Voraussetzung menschlicher Kultur.“ („Jugendlexikon Psychologie“ von Wolfgang Schmittbauer). Mit diesem Zitat möchten wir verdeutlichen, dass Sexualität von Anfang an in die menschliche Entwicklung eingebunden ist, genauso wie Sprache, Bewegungsentwicklung usw.

Wie die Kinder im Kindergarten ihre sexuelle Entwicklung nach außen bringen, hängt sehr von der einzelnen Persönlichkeit und dem Entwicklungsstand ab. Das sexuelle Interesse der Kinder am eigenen Körper und am Körper anderer Kinder zeigt sich, indem sie sich nackt ausziehen und umherlaufen. Sie betrachten sich selbst und die anderen. Sie benennen ihre Geschlechtsorgane, sie erkunden sich selbst und andere Kinder, dies ist oft ins Spiel eingebunden. Für diese Spiele ziehen sie sich gerne in ruhige Räume zurück. Sie zeigen den anderen, dass sie ungestört sein möchten.

Als pädagogisches Team sehen wir unsere Aufgabe darin, den Kindern einen freien geschützten Raum für die Entwicklung ihrer kindlichen Sexualität zu schaffen. Praktisch heißt das, dass sie alle oben beschriebenen Aktivitäten durchführen dürfen. Parallel vermitteln die Erzieherinnen, auf eigene Grenzen und die Grenzen anderer zu achten und diese einzuhalten. Das Erzieherinnenteam besteht darauf, dass Grenzen eingehalten werden. Wenn dies nicht geschieht, wird dies gemeinsam mit den Kindern thematisiert. Wir achten die Intimsphäre der Kinder, aber behalten uns auch vor, sie beim Spiel gelegentlich zu beobachten und einzugreifen, wenn sie sich an Regeln und Absprachen nicht halten. Aus der pädagogischen Begleitung der sexuellen Entwicklung der Kinder heraus ergibt sich neben dem persönlichen Beantworten ihrer Fragen die Arbeit mit Büchern.

Wir möchten durch unsere Arbeit mit den Kindern erreichen, dass wir sie in ihrer sexuellen Entwicklung im Kindergarten nicht einschränken, und wir hoffen, dass wir durch unseren Umgang ein Stück Prävention gegen sexuelle Gewalt leisten. Wir klären die Kinder auf und bestärken sie, deutlich zu sagen, was sie nicht möchten, wo die eigenen Grenzen sind und unangenehme Situationen/ Erlebnisse mitzuteilen.

6.5 Das Spiel

Das Spiel ist die Urform allen Lernens. Kinder spielen, ohne zu registrieren, dass sie dabei lernen. Sie verfolgen kein Ziel. Was zählt, ist nicht das Endprodukt, sondern das Geschehen an sich. Beim Spielen entdecken und festigen Kinder ihre Fähigkeiten, gewinnen Erkenntnisse, erproben Rollen und Wertvorstellungen und verinnerlichen sie.

Spielerisch eignen sich Kinder Alltagskompetenzen wie Geschirrnutzung oder Umkleiden an. Es gibt generell kein Plastikgeschirr und -besteck, alle Kinder lernen, mit Messer und Gabel umzugehen.

Die Spiele verändern sich mit dem Alter der Kinder.

Krippenkinder lernen zunächst spielerisch ihren Körper und den Umgang mit ihm kennen. Sie lernen allmählich, ihren Körper zu koordinieren, z.B. das Zusammenwirken von Auge und Hand (Auge-Hand-Koordination). Sie spielen sowohl mit Alltagsgegenständen – Schüsseln, Flaschen, Löffeln, Watte, Wolle und Stoff – als auch mit vorgefertigtem Spielzeug – Rasseln, Turmbecher und Klötzchen – und werden so mit verschiedenen Materialien, Farben, Formen und Geräuschen, aber auch mit dem Prinzip von Ursache und Wirkung vertraut. Beim Spielen mit Gegenständen schulen die Kleinen ihr Empfinden für Raum und Formen. Hieraus entwickelt sich bis zur Einschulung auch das Konstruktionsspiel (z.B. Bauen mit Lego).

Elementarkinder spielen am liebsten in der Welt der Phantasie. In Rollenspielen schlüpfen sie in andere Personen, Situationen, Märchenwesen oder ahmen Alltagsszenen nach (Mutter-Vater-Kind-Rollenspiel). Die nötigen Requisiten organisieren sie aus ihrer Umgebung: Spielsachen, Stühle, Kissen und Küchenutensilien – alles wird genutzt.

In dieser Altersstufe beginnt das Interesse für Regelspiele: Fangen, Verstecken und die ersten Brettspiele. Ihre Fähigkeiten im Umgang mit Papier, Farben und Buntstiften haben sich entwickelt, und sie finden allmählich Freude am konstruktiven Spiel. Schließlich ist das Spiel sehr wichtig für die psychomotorische Entwicklung.

6.5.1 Das Freispiel

Wir gestalten den Kindergartenalltag so, dass die Kinder die Möglichkeit haben, sich spielerisch Kompetenzen und Wissen anzueignen.

Wir geben den Kindern Zeit mit viel Freiraum für Spiele, Gedanken, Ideen, Kontakte, Gefühle, Kennenlernen und Umgehen mit verschiedensten Materialien. In dieser Zeit stehen die individuellen Wünsche, Bedürfnisse Temperamente und Eigenschaften jedes Einzelnen im Vordergrund. Aufgrund der Beobachtungen kennen wir Erwachsenen Vorlieben, Stärken und Schwächen der Kinder, um individuell unterstützend, begleitend, herausfordernd oder zurückhaltend da zu sein.

Deshalb hat das Freispiel bei uns im Kindergarten eine zentrale Stellung. Im Freispiel geht die Initiative vom Kind aus und nicht vom Erwachsenen. Die Kinder spielen ihr Spiel!

Aus dem Freispiel heraus ergeben sich oft andere Formen des Spielens, wie Rollenspiele oder Gesellschaftsspiele:

Das Rollenspiel wandelt sich vom Nachahmungsspiel (z.B. Eltern) über einfaches Rollenspiel (Mutter-Vater-Kind-Rollenspiel) bis hin zum sozialen Rollenspiel.

Rollenspiele fördern die Sprachentwicklung und die Kommunikationsfähigkeit. Sie helfen den Kindern bei der Verarbeitung emotionaler Prozesse (z.B. Konfliktbewältigung) und aktueller Bedürfnisse bzw. Anlässe (Trauer, Wut, Fröhlichkeit). Gesellschaftsspiele fördern die Einhaltung von Regeln und Normen.

Um die Fähigkeit zu erhalten, ohne vorgefertigte Spielsachen zu spielen sowie die vorhandenen Räume zu nutzen, haben wir vor zwei Jahren die spielzeugfreie Zeit eingeführt , in der sich die Kinder für zwei bis drei Monate p.a. ohne Spielsachen beschäftigen.

6.5.2 Das angeleitete Spiel

Neben dem Freispiel gibt es vom Erzieherinnenteam angeleitete Spiele. Das sind in der Regel Kreis- und Singspiele, die in altersspezifischen Kleingruppen angeboten werden. Hier wird die Sprache in Form des Einübens von Satzmustern gefördert.

Es werden soziale Kompetenzen gestärkt, weil in der Gruppengemeinschaft Rücksichtnahme, Konzentration und Koordination gefordert sind.
 

6.6 Eingewöhnung

Den häufig ersten Trennungsprozess gestalten wir abhängig vom jeweiligen Kind und in Abstimmung mit den Eltern. Ziel ist es, dieTrennung bestmöglich zu erleichtern. Nach Vertragsabschluss werden die Eltern zu einem persönlichen Gespräch über die Eingewöhnung gebeten. Die Eingewöhnung der Kinder wird individuell gestaltet und dauert in der Regel zwischen zwei und fünf Wochen. Der Ablauf der Eingewöhnung ist aus dem Anhang ersichtlich.

Die Anwesenheit einer Bezugsperson ist unentbehrlich, solange es für das Kind für seine Anpassungsleistung als sichere Basis nötig ist.

Die Anwesenheit der Eltern wird entbehrlich, wenn das Kind zur pädagogischen Bezugsperson eine Beziehung aufgebaut hat, die die Funktion einer sicheren Basis für das Kind übernehmen kann.

Die Eltern erstellen (am besten mit dem Kind) ein kleines Fotoalbum, das das Kind als vertrauter Begleiter durch den Kindergartenalltag führt.

6.7 Umwelterfahrung

Täglich erleben, erfahren und begreifen die Kinder ihre Umwelt. Wir bieten den Kindern dabei Unterstützung an und vermitteln ihnen, dass auch sie ein Teil dieser Umwelt sind und diese aktiv mit gestalten können. Sich zu bewegen macht allen Kindern Spaß. Sie tun es gerne und brauchen keine Anleitung dazu. Sie lernen spielend ihren Körper, seine Möglichkeiten und Grenzen kennen. Doch in den Großstädten werden kindgerechte Freiräume immer knapper. Das Stadtleben schränkt die Bewegungsräume und das Naturerleben der Kinder ein.

Damit die Kinder vielfältige Erfahrungen machen können, nutzen wir die Möglichkeiten in unserer Umgebung. Erlebnisse in der Natur und der Umgang mit verschiedenen Materialien gehören dazu. Das Wachsen und Leben auf der Wiese oder in den Bäumen und Büschen, die je nach Jahreszeit immer anders aussehen, duften und sich anfühlen, lassen Kinder jeden Tag etwas Neues entdecken. Ein weiterer Aspekt der Umwelterziehung ist der Umgang mit der Umwelt, wie umweltschonendes Verhalten.

Im Kindergarten beteiligen wir die Kinder z.B. an der Mülltrennung und der Entsorgung des Mülls. Sie lernen, Wasser zu sparen. Wir wollen den Kindern begreifbar machen, dass sie ein Teil der Natur sind und es wichtig ist, mit der Natur und nicht gegen sie zu leben.

Bei allen Unternehmungen außerhalb des Kindergartens nutzen wir öffentliche Verkehrsmittel. Sie sind auch Teil der Verkehrserziehung, die zusätzlich einmal im Jahr mit einem Verkehrspolizisten für die Vorschulkinder stattfindet.
 

6.8 Feste

Wir feiern Feste, weil sie Bestandteil unserer Kultur sind. Das gemeinsame Feiern und die gemeinsame Vorbereitung auf das Fest sollen den Kindern vor allem Freude bereiten.

Feste teilen ein Jahr ein und schaffen einen Rhythmus, der den Kindern in ihrer Zeitorientierung hilft und Sicherheit vermittelt. Sie markieren Übergänge zu anderen Jahreszeiten – das St.-Martins-Fest (wir basteln gemeinsam Laternen und veranstalten einen St.-Martins-Umzug) kündigt den Winter an – und markieren Lebensabschnitte – der Geburtstag.

Zu den bei uns gefeierten Festen gehören Fasching, Ostern, ein Elternverwöhnfest (Vater- und Muttertag), das Abschiedsfest der Schulkinder mit Schultüten, ein Erntedankfest, ein St.-Martins-Fest, Nikolaus und Weihnachten. Alle genannten Feste finden im Rahmen des Kindergartenalltags statt und werden größtenteils mit den Kindern vorbereitet. Durch ausgesuchte Spiele, Lieder, Geschichten, kleine Gedichte, Fingerspiele, Bastelarbeiten, Kochrezepte, Spaziergänge oder Ausflüge wird auf besondere Tage vorbereitet und eingestimmt. Jedes Fest hat seinen eigenen Charakter, z.B. Fröhlichkeit oder Besinnlichkeit. Die älteren Kinder erkennen durch die Wiederholung in jedem Jahr die Feste wieder. Die Vorfreude auf besondere Ereignisse fördert ihre Lernbereitschaft. Durch die Feste werden viele Sinne angesprochen. Das gemeinsame Gestalten der Gruppenräume fördert das Gruppengefühl.

6.9 Religion

Im Zusammenhang mit Kirchenfesten haben die Kinder Gelegenheit, sich mit religiösem Brauchtum vertraut zu machen, z.B. über die Weihnachtsgeschichte. Darüber hinaus vermitteln wir in unserer Einrichtung keine religiösen Inhalte. Auf Fragen der Kinder zum persönlichen Glauben antworten wir authentisch.

Die Kinder lernen auch, dass es neben dem Christentum noch andere Religionen gibt.

Wir halten die Kinder dazu an, ihre Konflikte mit zunehmendem Alter sprachlich und nicht körperlich zu lösen.

6.10 Gesundheit und Ernährung

Gesundheit wird definiert als Zustand von körperlichem, seelischem, geistigem und sozialem Wohlbefinden. Ein guter Gesundheitszustand ist eine wesentliche Bedingung für die soziale, ökonomische und persönliche Entwicklung des Menschen und ein entscheidender Bestandteil der Lebensqualität. Für eine gesunde körperliche Entwicklung ist es wichtig, viel Bewegungsraum zu schaffen. Darum gehen wir täglich ins Freie, zu jeder Jahreszeit.

Das Kind lernt im Kindergarten, grundlegende Hygienemaßnahmen selbstständig auszuführen. Ferner wird es über den gesundheitlichen Wert einzelner Lebensmittel informiert und entwickelt eine positive Einstellung gesunder und ausgewogener Ernährung gegenüber.

Es gibt zu diesen Themen entsprechende Angebote: Kennenlernen von Nahrungsmitteln, gemeinsame Zubereitung von Speisen.

In unserer Einrichtung werden nur Lebensmittel aus biologischem Anbau angeboten und verarbeitet.

Die Brotzeit wird vom Personal vorbereitet.

Außer der gemeinsamen Müslibrotzeit (einmal in der Woche) mit Milch, Joghurt, Müsli und Obst, wird den Kindern Brot, Butter, Käse, Wurst, Rohkost und Obst zur freien Verfügung gestellt. Die Kinder entscheiden, wann, was und wie viel sie essen wollen. Am Nachmittag haben die Kinder die Möglichkeit, frisches Obst, Knäckebrot oder Zwieback zu essen.

Derzeit wird die Einrichtung vom Caterer „Valerien Food“ beliefert. Die Gruppe hat die Möglichkeit, das Essen unter Berücksichtigung einer ausgewogenen Vielfalt selbst auszuwählen.

Außerdem nehmen wir am EU-Schulprogramm – Obst, Gemüse, Milch und Milchprodukte für Bayerns Kinder – teil.

 

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